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Sebastian Herzau, Daniel Schaal, Tobias Stutz

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Ausstellung: 13.06. - 25.07.2020

Eröffnung: Samstag 13.06.2020, 18:00 - 21:00 Uhr


Der Hallenser Maler Sebastian Herzau bewegt sich in den traditionellsten Genres der Malerei: Portrait, Stilleben und Landschaft (nicht in dieser Ausstellung vertreten). Diese Bildgattungen behandelt er allerdings auf sehr individuelle Weise. In seinen Portraits und Stillleben bedient er sich der Trompe-l’œil-Malerei, die schon in der Renaissance und vor allem im 17. und 18. Jh. die Betrachter zum Staunen gebracht hat.

Ein feiner Humor durchzieht seine Werke, der vor allem bei den kleinen Stillleben auf vermeintlicher Pappe aufscheint. Diese beiläufig wirkenden Bilder greifen das Quodlibet des 18.Jh. auf – eine realistische Darstellung von ungeordneten scheinbar das Bildformat sprengenden Schriftstücken, das sich größter Beliebtheit erfreute. Eine weitere Werkgruppe bilden die verschwommenen Portraits, die scheinbar unter einer Eisschicht oder mit Eis überzogenen Scheibe zu liegen scheinen. Sowohl bei den Portraits auch bei den mit Tape unkenntlich gemachten Bildern, findet eine große Distanzierung von der portraitierten Person statt und der Betrachter wird auf die Malerei an sich verwiesen. 2019 wurde Herzau für sein herausragendes Werk mit dem Kunstpreis Halle geehrt.

 

Auch der Bonner Maler Tobias Stutz bedient sich des Trompe-l’œil, arbeitet aber überwiegend mit architektonischen Themen. Die Werkgruppe, die wir hier zeigen, ist auf architektonische Details fokussiert, Ausschnitte von Gebäuden erhalten ein Eigenleben und werden unabhängige Objekte, die eine enorme illusionistische Raumtiefe erreichen. Unterstützt wird diese 3-dimensionale Wirkung zusätzlich durch den gezielten Einsatz der Farbe (rot tritt beispielsweise hervor, blau weicht zurück). Das größte Bild zeigt einen Teil von Le Corbusiers Unités d’Habitation -die Wohnmaschinen-, die er zwischen 1945 und 1967 plante und baute. Die Architektur oder auch das Design der klassischen Moderne tauchen in Stutz Bildern immer wieder auf. Sein virtuoses Spiel mit Licht und Schatten und der Zuschnitt der Leinwände, der sich dem Motiv anpaßt, schaffen perfekte Illusionen.

 

Der jüngste Künstler, den wir hier neu vorstellen ist der Berliner Daniel Schaal, der noch an der UdK Berlin studiert. Trotz seines jungen Alters gilt sein Werk unter Berliner Sammlern bereits als Geheimtip, denn es ist äußerst ungewöhnlich, geistreich und vielschichtig. Wir zeigen hier zwei Werkgruppen: seine Malereien und die Drucke. Diese Blätter entstehen auf der größten Druckerpresse Europas und wären außerhalb Berlins schon allein technisch gar nicht realisierbar. Schaal faltet Kartons (z.B. ein Tetrapack) die er im Alltag benutzt hat auf und verwendet sie als Druckstock für seine großformatigen Blätter, die spontan an Röntgenbilder erinnern. In der Serie, die wir hier zeigen, ordnet er den Karton so an, daß er das Christusmonogramm ΧΡ, auch Chi-Rho oder Konstantinisches Kreuz genannt ergibt. Es besteht aus den beiden übereinander geschriebenen griechischen Buchstaben Χ und Ρ – die ersten beiden Buchstaben des griechischen Wortes Χριστός Christós. Der Konsum ist also zu einer Ersatzreligion geworden und ein profanes Wegwerfprodukt, das lediglich der Verpackung eines Inhalts dient, wird selbst zum inhaltvollen Bedeutungsträger.