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Ausstellungen

Happiness is boring

31.10.2015 - 19.12.2015

Vernissage: 31.10.2015, 18:00 - 21:00 Uhr


Arbeiten auf Papier von:
Katrin Bremermann, Marcel Bühler, Pius Fox, Enrico Freitag, Eva Grün, Jim Harris, Stefanie Holler, Károly Keserü, Bettina Krieg, Kai Mailänder, Thomas Müller, Katja Pfeiffer, Bernd Ribbeck, Arjan Van Helmond, Santiago Ydáñez

Die Ausstellung bietet einen Überblick über sehr unterschiedliche künstlerische Positionen, die sich dem Thema Zeichnung bzw. Arbeiten auf/mit Papier widmen. Das Unmittelbare, Assoziative und Unterbewusste hat hier sehr viel größeren Raum als in allen anderen künstlerischen Medien. Die Show spannt den Bogen von figurativen Zeichnungen, über Papiercollagen bis hin zu reduzierten, minimalistisch geometrischen und gestischen Blättern.

Die puristischste und direkteste Form der Zeichnung in dieser Ausstellung findet sich sicher im Werk des Stuttgarters Thomas Müller. Er sagt über das Wesen der Zeichnung: „In der Zeichnung wird das Denken körperlich und unmittelbar. Das Zögern gehört unbedingt dazu, das Unreine und das Fragmentarische – und die Hoffnung, dass die Dinge sich gegenseitig erklären mögen.“ (Thomas Müller, Different Lines, hrsg. Patrick Heide, 2015, S.87).

Auch Bettina Krieg arbeitet stark assoziativ und gibt der Zeichnung Raum sich nach ihren eigenen Gesetzen spontan zu entwickeln. Wir zeigen zwei Arbeiten aus ihrer Istanbul-Serie, die dort 2012 entstanden ist, sowie zwei neue Blätter aus diesem Jahr. Die beiden Werkgruppen wirken zunächst vollkommen unterschiedlich, entstehen aber nach demselben Prinzip. Ausgehend von einem bestimmten Startpunkt wachsen sie assoziativ weiter und entwickeln in ihrem Wechsel zwischen Öffnung und Verdichtung eine enorme Raumtiefe.

Formal erinnern diese Linienbündel etwas an die Blätter des Ungarn Károly Keserü. Seine Zeichnungen wirken allerdings sehr viel mathematischer und bleiben flächiger. Das Grundgerüst seiner faszinierenden Arbeiten sind aus feinen Linien aufgebaute Rasterstrukturen, die durch sehr präzise gesetzte Punkte ergänzt werden und so vibrierende lebendige Flächen entstehen lassen. In ihrer Strenge und ihrer obsessiven Wiederholung lassen sie die lange Tradition von der geometrischen Abstraktion des frühen 20. Jahrhunderts bis zu den amerikanischen Minimalisten wie Agnes Martin oder Max Cole durchscheinen. Keserü selbst spricht von dem Versuch der Annäherung an die Unendlichkeit.

Katrin Bremermann hat Arbeiten geschaffen, bei denen sie Papiere mit einer Schicht aus Wachs tränkt, die eingebügelt wird. Danach prägt sie auf beiden Seiten des Papiers Raster ein und trägt schließlich geometrische Formen in kräftigen Lackfarben als oberste Schicht auf. Präzise abgegrenzt wirken diese Formen zum Teil wie filigrane Schnittmuster für Stoffe, architektonische Grundrisse oder zweidimensionale Abbildungen eines Mobiles – die Assoziationen sind vielfältig.

Das Ausgangsmaterial der Wiener Künstlerin Eva Grün bilden u.a. Seekarten, architektonische Pläne oder technische Zeichnungen. Diese übermalt sie mit Tusche und Aquarell und verwendet oft auch Überschriften aus Zeitungen, die sie hinein collagiert und die der Darstellung oft erst eine bestimmte Aussage geben oder ihr eine ironische Wendung hinzufügen.

Auch Marcel Bühler und Kai Mailänder arbeiten mit Versatzstücken aus gefundenem oft historischem Bildmaterial. Bühler ergänzt sie durch ironische, humorvolle Titel, überraschende Kombinationen mit anderen Bildern oder Zeichnungen. Bei Mailänder werden Fotos aus historischen Büchern durch Beschneiden, Übermalen und Überkleben zu geometrisch konstruktiven Collagen verarbeitet.

Katja Pfeiffer beschäftigt sich in ihrem umfangreichen Werk u.a. mit Scheinarchitekturen. In ihren Objekten, Zeichnungen, Reliefs, Collagen und Rauminstallationen bewegt sie sich im Spannungsfeld von Konstruktion und Dekonstruktion. Wir zeigen ein Objekt aus Pappe, das sich aus dem richtigen Blickwinkel mit Hilfe von Spiegeln, zum scheinbar runden Kinderkarussell zusammenfügt.

Vom Amsterdamer Maler Arjan van Helmond, dessen Aquarell auch den Titel der Ausstellung liefert, zeigen wir eine Auswahl seiner Berlin Aquarelle, die hier entstanden sind (ein karger Gefängnisraum, ein Schlafzimmer, ein Graffiti auf einer Jalousie).

Die Berliner Künstler Bernd Ribbeck und Pius Fox sind mit abstrakten Aquarellen vertreten. Ribbeck hat sich u.a. viel mit der Anthroposophie Rudolf Steiners beschäftigt und folgt ihm beim Grundgedanken, dass ein Kunstwerk eine eigene geistige Qualität besitzt, die nur mit den Mitteln der Kunst in Erscheinung treten und nur direkt erlebt aber nicht erklärt werden kann. Geometrische Grundformen wie Dreieck, Kreis und Quadrat bilden oft das Gerüst seiner architektonisch anmutenden Bildräume. Dabei benutzt er farbige Tuschen, die er zum Teil wieder auswäscht und ihnen die Möglichkeit gibt im Rahmen des gelenkten Zufalls mit einander zu korrespondieren. Die Geometrie liefert auch für Pius Fox wichtige Konstruktionsprinzipien, ist aber nur ein Teilaspekt seines Werkes. So tauchen auch gegenständliche Bilder in seinem Werk auf bzw. bilden den Ausgangspunkt für scheinbar rein gegenstandslose Arbeiten.

Die extrem reduzierten skizzenhaften Landschaftszeichnungen des Spaniers Santiago Ydáñez gehorchen vollständig dem intuitiven schnellen Gestus einer Skizze vor der Natur, die so weit reduziert ist, dass sie fast völlig zur Abstrakten wird.

Jim Harris skizziert in seinen Tuschpinselzeichnungen die Landschaft seiner holländischen Heimat. Er arbeitet stets direkt vor Ort und es gelingt ihm mit wenigen Pinselstrichen das Licht eines Sommertages – wie auf der Insel Texel – einzufangen.

Stefanie Holler geht bei ihren Kohlezeichnungen von Fotos aus und entwickelt sehr präzise Darstellungen alltäglicher Gegenstände, welche auf enorme Größe gebracht werden und so eine völlig neue, surreale Ästhetik erhalten. Trotz ihres jungen Alters (*1988) hat die Wiener Künstlerin schon ein sehr eindrucksvolles Werk geschaffen, für das sie bereist mit dem vierten Kunstpreis (Roter Teppich für junge Kunst) ausgezeichnet wurde.

Auch den Zeichnungen des Weimarer Künstlers Enrico Freitag liegen oft Fotos zugrunde, die häufig aus DDR Werkskatalogen stammen. Hier steht die menschliche Figur im Mittelpunkt, die allerdings ihrer ursprünglichen Tätigkeit beraubt wird und deren Handlungen im Bild merkwürdig offen und rätselhaft bleiben.

 

Radu Belcin & Robert Bosisio

12.09.2015 - 24.10.2015

Vernissage: 12.09.2015, 18:00 - 21:00 Uhr


Diese Ausstellung stellt das Werk zweier Künstler gegenüber, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben.

Die Arbeiten des rumänischen Malers Radu Belcin (*1978) sind sehr aktiv und appellativ, die des Italieners Robert Bosisio (*1963) sehr zurückgenommen und kontemplativ. Für beide Maler ist aber die menschliche Figur und speziell das Porträt seit vielen Jahren zentrales Thema. Genauer gesagt behandeln beide das Verschwinden oder sich Auflösen der Figur und die Anonymisierung der Dargestellten. Bei Belcin scheinen die Figuren in surrealer Manier zu zerfließen oder werden hinter derben Pinselhieben versteckt, bei Bosisio verschwinden sie hinter einem Schleier oder werden in pointilistischer Art in tausende von Farbpunkten aufgelöst.

Entsprechend ändert sich auch die Haltung des Betrachters. Die äußerst feinen Werke Bosisios fordern den Rezipienten dazu auf, sich ihnen mit viel Ruhe und genauer Betrachtung zu nähern und für ihre Ruhe und Kraft, die sie ausströmen, zu öffnen. Die gemalte Figur scheint so flüchtig zu sein, dass man fast fürchtet muss, sie könnte sich gänzlich auflösen und in ihrem Farbraum verschwinden. Schon ist man mitten in einer kontemplativen Rezeption und wird fast unweigerlich zum Innehalten gezwungen.

Die Haltung gegenüber einem Bild von Radu Belcin ist hingegen eine ganz andere. Man kann sich seinen Bildern kaum entziehen und muss ihre Wucht aushalten können und erste emotionale Reaktionen wie eventuell Grusel oder Erschrecken überwinden. Belcins Bilder können verstören und irritieren. Assoziationen an Hannibal Lector, SM Praktiken oder gar Folter werden geweckt. Für einige Betrachter sind diese Emotionen zu intensiv. Man sollte sich aber diesen vielen Assoziationen und unterbewussten Reaktionen öffnen sowie die psychologische Vielschichtigkeit der Bilder auf sich wirken lassen.

Zwei kontrastierende Positionen zum Thema Figur/Porträt stehen hier im spannungsreichen Dialog.

Daniel Bodner

Field of Excercise

06.06.2015 - 18.07.2015

Vernissage: 06.06.2015, 18:00 - 21:00 Uhr


In der Einzelausstellung “Field of exercise” zeigen wir neue Arbeiten des in New York und Amsterdam ansässigen Künstlers Daniel Bodner (*1963).

In seinen aktuellen Arbeiten wendet sich Bodner wieder der menschlichen Figur zu. Er zeigt uns junge, übermütige, in Gruppen trainierende Sportler, die jedoch nicht auf naturalistische Weise sondern bewusst verfremdet dargestellt werden. Im Malprozess bringt Daniel Bodner mehrere Farbschichten auf, die er schrittweise wieder abzieht und zum Teil die Farbe bis auf die unterste Schicht herunterkratzt, sodass mitunter die Struktur der Leinwand wieder zum Vorschein kommt. Die dadurch erzeugte Oberflächenstruktur und die erdigen, reduzierten Farben stellen nicht nur einen Bezug zu historischen, überbelichteten Schwarzweiß-Fotografien her, sondern imitieren auch künstlerische Effekte, die in der traditionellen Entwicklungstechnik der Fotografie – durch Fixierlösungen und Emulsionen – entstehen.

Daniel Bodner verbindet die jugendlichen Figuren mit der Anmut abgegriffener, verjährter Fotografien und erschafft so eine visuelle Metapher für den Lauf der Zeit und die Vergänglichkeit menschlichen Daseins.

Pius Fox

Slumber

25.04.2015 - 30.05.2015

Vernissage: 25.04.2015, 18:00 Uhr


Unsere vierte Einzelausstellung mit Pius Fox umfasst neue Arbeiten aus verschiedenen Werkgruppen – sowohl größere Bilder in Öl auf Leinwand als auch kleinere Aquarelle des jungen Berliner Künstlers.

Seit 2014 beschäftigt sich Fox verstärkt mit dem Thema Aquarell. Diese Arbeiten zeigen wir nach einigen Präsentationen auf Messen nun zum ersten Mal in der Galerie.
Die Eigenschaften der wasserlöslichen Farben und die Beschaffenheit des Aquarellpapiers erfordern andere malerische Techniken als bei seinen Werken in Öl auf Leinwand bzw. auf Papier. Sie eröffnen dadurch aber auch neue Ausdrucksmöglichkeiten. Das Thema der Transparenz und des lasierenden Aufbaus von Farbschichten, das schon in den Arbeiten in Öl eine wichtige Rolle gespielt hat, wird hier aufgegriffen und durch die Aquarell-Malerei auf neue Art umgesetzt.

Die feine Gradwanderung zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion beherrscht Fox mittlerweile virtuos. Seine Arbeiten sind in den Proportionen ausgesprochen empfindsam komponiert, die Farbklänge sehr harmonisch und trotzdem behalten seine Bilder den Charakter von Spontaneität und Unmittelbarkeit. So entstehen einmalige Kombinationen zwischen Flächen, feinen Linien und Strukturen, die sowohl eine gewisse Flächigkeit als auch Raumtiefe vereinen. Es ist ein lebendiger Dialog von Farbe, Struktur und Duktus.

Pius Fox ist mittlerweile international sehr erfolgreich und hat sich einen Namen im Bereich der neuen Abstraktion gemacht. Es folgen zwei umfassende Einzelausstellungen zum einen im Kunstverein Recklinghausen im September diesen Jahres und zum anderen 2016 durch die FRAC Auvergne in Clermont-Ferrand.

Zur Eröffnung am Samstag, den 25. April laden wir herzlich ein!

Sonderöffnungszeiten zum Berliner Gallery Weekend
Fr. 1. Mai und Sa. 2. Mai 11:00 – 21:00 Uhr
So. 3. Mai 11:00 – 18:00 Uhr und nach Vereinbarung

Jim Harris

Current works

16.03.2015 - 18.04.2015

Vernissage: 15.03.2015, 14:00 Uhr


Seit Gründung der Galerie 2006 arbeiten wir mit dem englischen Plein Air Maler Jim Harris. Wir freuen uns nun seine neue Werkgruppe zeigen zu können.

Ein paar Gedanken dazu hat Harris selbst formuliert:

Ich lebe an der Amstel, der Amsterdam auch seinen Namen verdankt. Die Lichtspiele auf dem Fluss, die sich wiegenden Wellen oder die vorbeifahrenden Boote, welche auf der Wasseroberfläche hypnotisierende Muster hinterlassen, ziehen mich jedes Mal in ihren Bann. Dieses Bild hat schon viele Künstler vor mir fasziniert, die ebenso versucht haben, die trügerische Schönheit dieses geschichtsträchtigen Flusses einzufangen.  Noch immer bildet der Fluss, der tief in die Stadt hineinfließt, mit seiner Vitalität und Einzigartigkeit den Mittelpunkt der Stadt, deren Entstehen er stark gefördert hat.

Der Wunsch, die Amstel zum Hauptmotiv meiner Bilder zu machen, entstammt zum einen meiner jahrelangen Ansässigkeit an diesem Flussufer und zum anderen der Inspiration durch die wundervollen Malereien des niederländischen Künstlers Piet Mondrian. 1995 wurde ich durch eine Ausstellung mit dem Titel Mondrian along the Amstel auf ihn aufmerksam. Durch die dynamische Art und Weise seines Farbauftrags entstand ein “allumfassender Blick” auf die Amstel, Bilder, die nicht zuletzt durch seine Plein Air Malerei einzigartig wurden.

Die hier ausgestellten Bilder – nicht auf Leinwand sondern auf MDF gemalt – sind eine Hommage an die Darstellungen der Amstel, die zu Beginn von Mondrians Karriere entstanden. Meine Arbeiten beabsichtigen keine metaphorischen Schlussfolgerungen. Sie sind, inspiriert von einem großen, niederländischen Künstler, lediglich ein Abbild meiner starken Verbundenheit gegenüber der Amstel und der Stadt, in der ich vor langer Zeit meinen Mittelpunkt gefunden habe.

Kai Mailänder & Jacob Juhl

Kai Mailänder & Jacob Juhl

24.01.2015 - 28.02.2015

24.01.2015, 18:00 Uhr


Seit jeher ist der Mensch bestrebt Zusammenhänge in unserer Natur zu verstehen – grundlegende Fragen zu beantworten und Abläufe zu begreifen. Von den leuchtenden Punkten am nächtlichen Firmament bis hin zu den kleinsten Teilchen. Wir nutzen Wissenschaften, die Philosophie oder Religionen auf der Suche nach Antworten über uns und über das, was uns umgibt. Es gibt viele Möglichkeiten sich diesem Thema anzunähern, zu versuchen es zu verstehen, eine Ordnung zu erkennen. Mitunter ist die Mathematik ein Weg das große Ganze begreiflich zu machen und möglicherweise das Werkzeug, welches unabdingbar ist, das System Natur zu entschlüsseln. 

Jacob Juhl und Kai Mailänder beschäftigen sich in ihren Arbeiten mit diesen Ansätzen und Fragestellungen.

Kai Mailänder (*1984 Ludwigsburg)

Mailänder setzt sich mit Abbildungen einer vergangenen Zeit auseinander. Überwiegend finden sich Schwarz-Weiß-Abbildungen aus Bildbänden und Wissenschaftszeitschriften der 40er, 50er und 60ziger Jahren, welche die Grundlagen für viele seiner Arbeiten bilden. So entstehen Collagen, Malereien sowie Zeichnungen. Dabei fungieren die ehemaligen Seitenzahlen der Ausschnitte als vermeintliche Hilfestellung – als Wegweiser, um zu ordnen und Halt zu geben.

Die Betonung durch geometrische Elemente, Linien und Flächen verweist auf einen eigenen Kosmos und irritiert zugleich. Es entstehen neue Perspektiven im Raum, die den Gegenständen Halt im Format geben oder Größenverhältnisse wiederum verwerfen. Geometrische Formen und mathematische Berechnung drängen sich in die Bildräume und erweitern, verdecken, stören oder verbinden.
Es geht ihm um einen Versuch der Annäherung an das Thema und um die Formulierung einer Ordnung innerhalb des Systems aber auch um den Versuch die unterschiedlich ausgeführten und kleinformatigen Arbeiten durch die Form der Präsentation in der Ausstellung inhaltlich zu gliedern, zu verknüpfen und letztendlich neu zu ordnen.

Jacob Juhl (* 1973 Dänemark)
Fibonacci +1

Jacob Juhl arbeitet sehr konzeptionell und setzt sich, was die Schaffung seiner Werke anbelangt, selbst strenge Regeln – mit Fibonacci und dem Goldenen Schnitt als Ausgangspunkt.
Die häufig missverstandene Fibonacci-Folge wird von Juhl um +1 ergänzt. Er behält so alle wichtigen Grundregeln bei und deckt zeitgleich einen neuen Anhaltspunkt auf. Das “+1” kann jedoch auch als Fehler im System oder als das Unerklärbare, welches über unsere wissenschaftlichen Annäherungsversuche hinausgeht, verstanden werden.
Alle Fotografien Juhls konzentrieren sich anstelle eines Motives auf einen Winkel von 108°, der mit seiner Größe den Winkeln im Pentagon entspricht. Durch die genaue Platzierung des Winkels im Bild wird das Verhältnis des Goldenen Schnittes sowohl im einzelnen Bild als auch im Verhältnis der Bilder zueinander aufgegriffen. Die Zahlen der Fibonacci-Folge ziehen sich durch die gesamte Ausstellung und legen Größe und die Position der Werke fest. Auch die Titel folgen mathematischen Regeln, da sie je genau 26 Zeichen enthalten. 26 als Summe aller Zahlen des englischen Alphabets und somit als Rahmen für alles Geschriebene und Gesprochene sowie als Teil der Fibonacci-Folge.
Sechsundzwanzig wird zum Knoten zwischen verbaler, mathematischer und visueller Sprache.

Robert Klümpen & Stefanie Holler

1:48

10.01.2015 - 17.01.2015

Finissage: 17.01.2015, 18:00 Uhr


Am Wochenende vom 9. bis 11. Januar stellen wir Arbeiten zweier neuer Künstler vor:
Stefanie Holler und Robert Klümpen.

Basierend auf einer Idee von Kai Mailänder präsentieren wir für nur 48 Stunden zwei bis drei Mal pro Jahr besondere Arbeiten unserer Künstler. Der Titel korrespondiert nicht nur mit unserer Hausnummer, sondern ist auch ein übliches Modellbaumaß, wodurch der Modell-Charakter der Präsentationen betont wird. Denn gezeigt werden nicht unbedingt vollständige Ausstellungen, sondern evtl. „nur“ einzelne Werke, Werkgruppen, Projekte oder Gemeinschaftsarbeiten unserer Künstler oder Gastkünstler außerhalb der normalen Ausstellungsabfolge.

Trotz ihres geringen Alters (* 1988 in Graz.) hat die junge Wiener Künstlerin Stefanie Holler bereits ein äußerst eindrucksvolles und ungewöhnliches Werk geschaffen, in dessen Zentrum (neben Videos und Druckgrafik) meist großformatige Kohlezeichnungen auf Papier stehen. Für diese herausragenden – bis zu 250 cm großen – Blätter wurde sie 2014 bereist mit dem sechsten Kunstpreis ausgezeichnet (Roter Teppich für junge Kunst,  Wien).
Die Werke entstehen in einem mehrstufigen Prozess. Das Motiv wird ausgewählt und inszeniert (so werden z.B. in der Serie “Candy land” Tabletten und Pillen in Puppenstuben gestreut), es wird fotografiert und nach dem Foto gezeichnet, wobei beim Zeichnen eine mehr oder weniger starke Konzentration auf das wesentliche Motiv stattfindet und es nicht um ein fotorealistisches Übertragen des Fotos geht. Das Motiv selbst wird zwar erstaunlich präzise gezeichnet, verschiedenste weiß-grau-schwarz Abstufungen werden wiedergegeben und selbst die Unschärfen der Fotografie sind zu sehen, aber die Zeichnung entwickelt dennoch beim Arbeiten eine starke Eigendynamik und entfernt sich zunehmend vom Foto.
Das Auslassen bestimmter Details ist der wohl wichtigste Aspekt bei der Übersetzung von Fotografie in Zeichnung.

Deutlich etablierter ist bereits das Werk des Düsseldorfer Malers Robert Klümpen (*1973), der bei A.R. Penck und Dieter Krieg in Düsseldorf  studiert hat und mittlerweile selbst eine Professur für Malerei an der HfBK Dresden inne hat. Ausgezeichnet mit dem Villa Romana Preis Florenz wurde sein Werk in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen (u.a. Museum Karlsruhe, Kunstverein Xanten, Emsdetten, Göppingen, Malkasten Düsseldorf) vorgestellt. Kurz und treffen beschreibt der Kurator Ludwig Seyfarth die zentralen Aspekte seiner neuesten Werkgruppe:

„In Robert Klümpens oft großformatigen und farbkräftigen Gemälden sind zwei gegensätzliche Impulse in ein spannungsvolles, labiles Gleichgewicht gebracht. Einem virtuosen Schwelgen in der sinnlichen Fülle der malerischen Mittel steht, insbesondere in seinen neuesten Bildern, ein Hang zu fast minimalistischer Reduktion gegenüber. Deutlich erkennbare Motive wie auf den früheren Bildern, etwa Kioskbuden, Straßenlaternen oder Kircheninterieurs, tauchen nicht mehr auf. Übrig bleibt gleichsam nur noch die meist nächtliche Beleuchtung, Das mit unterschiedlichen malerischen Techniken, mit dem Pinsel oder mit der Sprühdose, auf die Leinwand Gebrachte wird zum großen Teil wieder abgerieben oder -gewaschen.
Die stoffliche Präsenz des Bildträgers ist einerseits fast wie eine Barriere betont; andererseits entsteht der Eindruck, dass sich jede greifbare Materialität in einen unbestimmten Tiefenraum auflöst. Die Bilder scheinen von hinten zu leuchten oder ein diffuses Licht ihre Oberfläche zu streife. Auch zeichenhafte Signets und an Kalligraphien erinnernde Liniengefüge, wie Sprayer sie auf Haus- und anderen Wänden hinterlassen, sind wie in geisterhafte Lichterscheinungen verwandelt.” (
Ludwig Seyfarth im Katalog Gestohlene Gesten, Kunsthaus Nürnberg 2013)