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Ausstellungen

Katrin Bremermann

Standard Deviation

Ausstellung: 2. Dezember 2017 - 6. Januar 2018.
Die Galerie ist vom 22. bis 27. Dezember geschlossen.

Eröffnung: Samstag, 02.12.2017 // 18 - 21 Uhr


Unsere zweite Einzelausstellung von Katrin Bremermann vereint Arbeiten aus verschiedenen Werkgruppen, die die Berliner Künstlerin in den letzten Jahren parallel weiter entwickelt hat.

Bremermann hat als Ausstellungstitel einen Begriff gewählt, der aus dem Bereich der Mathematik bzw. Statistik stammt. Standard deviation (Standardabweichung) ist “…ein Maß, das verwendet wird, um die Menge an Variation oder Streuung eines Satzes von Datenwerten zu quantifizieren” (Wikipedia).

Das beschreibt recht gut die subtilen Abweichungen, im Zusammenspiel der Positiv- und Negativformen die Bremermanns Werk durchziehen. Eine eigene Gruppe bilden die Werke in Acrylglas-Kästen. Es sind filigrane Blätter, die unter Acrylglas-Hauben geschützt sind und sich durch Faltungen dreidimensional in den Raum entwickeln. Die Linien der Faltungen gehen ein reizvolles Spiel mit fein gezeichneten Linien und einer sehr zurückhaltenden Farbigkeit ein.

Die Künstlerin zeigt auch neue dreidimensionale Leinwandobjekte, die sich durch kurvige Ausformung oder Abweichungen von der üblichen Rechteckform auszeichnen. Die Farbe (in der Regel nur eine Farbe pro Bild) steht in reizvollem Bezug zu der Leinwandform, nimmt sie auf oder tritt ihr gezielt entgegen und zieht sich oft um die Seiten des Objekts herum, so daß die Arbeit aus jeder Perspektive eine andere Wirkung entfaltet.

Auch die große Werkgruppe der Arbeiten auf Papier, bei denen Lackfarben auf einer Wachsschicht liegen, ist mit neuen Werken vertreten. Allerdings ist die Wachsschicht nun bei einigen Arbeiten tief schwarz, wodurch die kräftigen Farben noch stärker leuchten und vor dem dunklen Hintergrund zu schweben scheinen. Zudem bilden die lebendigen und durchbrochenen schwarzen Flächen einen reizvollen Kontrast zur fast technischen und präzise ausgeführten Form im Vordergrund.

Pius Fox

14. Oktober bis 25. November

Eröffnung: 14. Oktober // 18 - 21 Uhr


Die sensible Behandlung der Bildoberflächen war schon immer ein wichtiges Thema in Pius Fox Werk. In dieser thematischen Ausstellung, die bereits die vierte Einzelausstellung bei uns ist, ist sie aber besonders zentral.

Unter dem Titel Monderde vereint der Berliner Künstler Arbeiten, die ungewöhnlich atmosphärisch sind. Der Titel lässt an eine fremdartige Oberfläche aus Gestein und Staub denken- eine Umgebung in Schwarz-, Weiß- und Grautönen, die von Kratern und Erhebungen geprägt ist. Entsprechend ist das Spiel mit Nähe und Ferne, Groß und Klein sowie Licht und Schatten ein wesentliches Element dieser Werkgruppe. Manche Bilder scheinen an den Blick auf ferne Galaxien zu erinnern, wobei immer unklar ist ob Fox mikroskopische Details oder die Weite des Weltraums im Blick hatte.

Zum Glück ist aber auch bei dieser Ausstellung trotz des Themas die Farbe ein wichtiges Element, denn in der sensiblen Komposition von Farbklängen liegt eine große Stärke seines Werks, die auch hier wieder zum Tragen kommt.

Die Beschäftigung mit der menschlichen Figur oder architektonischen Raumsituationen, die Gegenstand vieler anderer Bilder bei Fox sind, treten bei dieser Ausstellung in den Hintergrund.

Sehr kleine Formate auf Papier oder Leinwand stehen neben großen Ölbildern und Hinterglasmalereien, mit denen sich Fox ebenfalls seit einigen Jahren beschäftigt. Fox modelliert die Maloberfläche mit Pinsel und Spachtel und legt dabei oft viele Schichten übereinander, zieht sie wieder ab und kratzt hinein, so dass tiefer liegende Farben durchscheinen oder hervorbrechen. Das Spiel mit Transparenz und Verdecken ist für sein gesamtes Werk wesentlich.

Robert Bosisio

human

Eröffnung am 1. September 2017, 18-21 Uhr

Ausstellung: 1.9.-7.10.2017


Nachdem wir 2015 die Porträts des südtiroler Malers Robert Bosisio (*1963) zum ersten Mal in einer Doppelausstellung mit Radu Belcin vorgestellt haben, zeigen wir nun die erste Einzelausstellung bei uns.

Der Betrachter kann sich Bosisios Bildern kaum anders nähern als ruhig und kontemplativ. Oft fügt sich erst aus großer Distanz eine scheinbar abstrakte Komposition zu einem Gesicht oder einer Figur zusammen. Versucht man ihr sich wieder anzunähern, lösen sich die Bildgegenstände oft völlig auf und die Betrachtung wird auf die Bildoberfläche gelenkt. Der Betrachter tritt einen Schritt zurück, versucht vielleicht sogar den am weitesten entfernten Punkt im Raum zu finden, denn von dort wirkt das Bild wieder völlig anders. Geht man hingegen ganz nah heran, sieht man wie ungeheuer komplex seine aus unzähligen Schichten gebildeten Bildoberflächen sind und wie überraschend die verwendeten Materialien sein können. Seine Farbschichten ergänzt Bosisio zum Teil mit Asche, Sand, einer Wachsschicht, unterlegt ein Gipsrelief oder spannt einen feinen Nylonstrumpf über die Malfläche.

In diesem körperlichen “Sich-Erschließen” der Bilder vollzieht der Betrachter genau den Entstehungsprozeß des Bildes nach, denn auch Robert entfernt sich beim Malen unaufhörlich von seinem Bild, um es aus der Distanz sehen zu können und Nah- und Fernansicht gleichermaßen spannungsreich gestalten zu können. Seine Werke bilden damit einen erholsamen Gegenpol zur Schnelligkeit der täglichen Bilderflut.

Ein Besuch in Roberts Atelier ist ein beeindruckendes Erlebnis und verdeutlich welche Freude er bei der Suche nach dem “perfekten” Bild hat. Die “Arbeitswand” wird von einem ausgeklügelten System aus Oberlichtern, Stoffen und Spiegeln beleuchtet, das sich je nach Lichtverlauf und Lichtsituation stark variieren läßt. Da seine Farbverläufe so enorm sensibel und präzise aufeinander abgestimmt sind, ist dies auch notwendig. Präzise, fast wissenschaftlich geordnet und beschriftet findet man in seinem Mallaboratorium Farben aller Art und eine beeindruckende Sammlung von Pigmenten und Pinseln.

Nachdem sich Bosisio viele Jahre intensiv mit Innenräumen beschäftigt hat, steht in den letzten Jahren die menschliche Figur im Mittelpunkt seiner Bildforschungen. Es können reale Modelle sein, zufällig gefundene Fotos aus dem Netz oder Zitate nach historischen Bildern, die den Anlaß zum Malen bieten.

Bosisio lotet die Grenze zur völligen Abstraktion aus und überläßt es dem Betrachter, ob er sich auf das Erkennen einer konkreten Figur oder auf das Erforschen der Oberflächenstrukturen und Farbklänge konzentrieren möchte.

Wir zeigen neben seinen äußerst akribisch und oft über viele Jahre aufgebauten Atelierbildern auch eine kleine Gruppe von spontanen Landschaftsstudien, die mich besonders bezaubert haben. Die Arbeitsweise ist hier vollkommen anders. Die kleinen Bilder entstehen direkt vor Ort in der Natur (wie in diesem Sommer erst wieder in der Toskana) und reflektieren den direkten Landschaftseindruck. Aber auch sie strahlen die gleiche Ruhe wie seine Atelierbilder aus und sind nicht weniger sensibel in Komposition und Farbklang.

 

SOMMERBLÜTEN – Künstler der Galerie und Gäste

Eröffnung am 24. Juni 2017, 18–21 Uhr


Giampiero Assumma, Tim Ayres, Radu Belcin, Antje Blumenstein, Julius Bobke, Daniel Bodner, Robert Bosisio, Adam Bota, Katrin Bremermann, Pius Fox, Simone Haack, Jim Harris, Stefan Hoehnerloh, Stefanie Holler, Jeffrey James, Matthias Kanter, Robert Klümpen, Anna Kott, Bettina Krieg, Kai Mailänder, Ralf Peters, Flavia Pitis, Katja Pfeiffer, Tomoyuki Ueno, Tessa Verder, Santiago Ydáñez, Alexander Zakharov

Ausstellung: 24.6.–15.7.2017


Yuka Kashihara

Self Similar

22.4.2017 - 17.6.2017

Eröffnung 22.4.2017, 18 - 21h


Mit der Ausstellung Self Similar stellen wir eine japanische Malerin vor, die in ihrem Werk Einflüsse der traditionellen japanischen Malerei mit Aspekten zeitgenössischer Kunst verbindet. Kashihara hat zunächst an der Musashino Art University in Tokio studiert und dann an der HGB Leipzig, an der sie 2015 auch Ihr Meisterschüler-Studium abgeschlossen hat.

Ihr Hauptfokus liegt auf dem Thema Landschaft. So wie auch die – meist sehr reduzierte – Landschaft in der traditionellen japanischen Malerei eher als Objekt zur Meditation und zur Besinnung auf die innere Landschaft des Betrachters dient, entwirft Kashihara eine Art emotionaler Kartographie.

Ihre Landschaften sind durchzogen von eigenartigen Leerräumen, Bergen, Felsen, Wäldern und immer wieder Wasserflächen – in Form von kleinen Teichen, Pfützen, oder auch mal als Swimming Pool oder Becken. In einigen Bildern durchdringen sich architektonische Elemente, die die Anwesenheit des Menschen andeuten (der in Person nie in ihren Bildern auftaucht), und Naturformen und erschaffen sehr eigentümliche Räume.

Kashihara scheint im Laufe der letzten Jahre immer mehr in die elementaren Strukturen der Naturformen vorgedrungen zu sein, denn in ihren Bildern hat sie sich von panoramaartigen Übersichtslandschaften, über Waldbilder hin zu verflochtenen Strukturen des Urwaldes entwickelt. Sie sagt dazu: „Als ich im letzten Jahr durch den malaysischen Dschungel lief, stieß ich auf Stellen im Dickicht, die von Menschen lange Zeit unberührt blieben. Es war ein Gefühl von Verlust und Wiedergeburt, schön und gruselig zugleich. Zunehmend beschäftigt mich die Wiederholung von Formen, die unendliche Spiegelung des Teils eines Ganzen in sich selbst: Diese Fraktal-Strukturen fand ich zuerst im Dschungel von Malaysia und anschließend auch in den daraus entstandenen Bildern wieder.“

Auch ihre Farbgebung unterstreicht, dass es sich bei ihren Bildern eher um Seelenlandschaften als um reale Naturräume handelt. Lasierend in Eitempera aufgetragen bilden die Farben ein flächiges Geflecht von Formen, das zum Teil gegenständliche Naturelement erkennen lassen, sich zum Teil aber auch in völliger Abstraktion auflöst.

„Wenn ich eine Landschaft beobachte, faszinieren mich Aufschichtungen von vergangener Zeit: Erde, Farbe & Spuren der Menschen, die dort einmal waren. Ich versuche mir vorzustellen, wie die erste oder allerletzte Person diese Landschaft wahrgenommen hätte. Wenn zwei Menschen eine Landschaft sehen, ist das was sie sehen niemals gleich: Ich möchte diese Unterschiede und Abweichungen finden und die so entstandenen Lücken füllen.“

Julius Bobke

25.2.-8.4.2017

Eröffnung am 25. Februar 2017, 19-21 Uhr


Julius Bobke

FFFFF

 

 

Julius Bobke ist nach Pius Fox der zweite junge, erst 24-jährige Berliner Maler, dessen Werk schon während des Studiums an der Berliner UdK so eigenständig, konsequent und überzeugend ist, dass wir ihm eine Einzelausstellung in der Galerie widmen.

Die Arbeiten von Bobke befassen sich auf sehr grundlegender Ebene mit den Fragen der Bildentstehung. Was ist ein Bild und was kann es leisten? Ist es nur Farbe und Form auf einer zweidimensionalen Fläche, Repräsentanz oder Zeichen für etwas Dargestelltes oder unabhängiges Objekt mit eigener Logik und Gesetzmäßigkeiten?

Bobke vermeidet jedwede Dreidimensionalität oder Raumillusion; seine Arbeiten bleiben sehr stark der Fläche und ihrer zwei Dimensionen verhaftet. Umso wichtiger werden Oberflächenstrukturen, die Proportion der Formen und das Verhältnis der Farben im Bild. Konsequenterweise ist die Behandlung des Bildträgers (Leinwand, Nessel oder andere Textilien) für ihn sehr wichtig. Er wird mit verschiedenen Chemikalien behandelt oder markiert, wobei diese Spuren der chemischen Reaktionen (Verfärben, Entfärben) in der Bildkomposition der aufgetragenen Farbe gleichgestellt sind und wesentlich die Komposition mittragen.

Oft tauchen Leerflächen in seinen Bildern auf, bei denen die Leinwand völlig unbehandelt bleibt, oder er betont einzelne Leinwandfäden, die Punkt für Punkt und millimetergenau farbig markiert werden, so dass das Gewebe und seine Struktur betont werden. Trotz aller ,Nicht-Malerei‘ und Grundlagenforschung sind Bobkes Bilder ausgesprochen feine Kompositionen, und sein Gespür für einen spannungsreichen Bildaufbau und eine harmonische Farbklänge ist erstaunlich.

Auch der Humor und die Freude am Spielerischen sind spürbar. Bobkes Codierungen, die sich zum Teil in den Bildtiteln „L“ oder dem Ausstellungstitel „FFFFF“ wiederfinden, geben Rätsel auf, und die Andeutung eines profanen Blumenstillebens irritiert und belustigt vielleicht. Diese Chiffren scheinen eine weiterführende Bedeutung zu codieren, – verweigern aber beharrlich eine klare Deutung. Der Buchstabe „F“, der für Bobke schon ein gewisses Markenzeichen geworden ist, spielt mit seiner vermeintlichen typografischen Lesbarkeit und Trägerfunktion für eine Bedeutung und ist zugleich grafisches und ordnendes Element, das die rechteckige Form eines Bildes aufnimmt und betont.

Bobkes Bilder sind bezaubernd schöne, rätselhafte Denkanstöße und erinnern so fast an die englischen Conversation pieces – Objekte aus Wissenschaft oder Kunst, die Anlass zum Gespräch bieten und geistreiche Diskussionen entfachen können.

Damit sind wichtige Elemente für ein spannungsreiches malerisches Werk erfüllt.

Tim Bohlender & Olga Jakob

macula

Eröffnung: 14.1.2017, 18 – 21 Uhr
14.1. – 18.2.2017


Wir stellen zum neuen Jahr zwei junge Künstler vor, die beide an der Kunstakademie Karlsruhe studiert haben. Auch wenn ein erster Blick auf ihr Werk nicht gleich an Malerei denken lässt, haben doch beide Ihre aktuellen „Bildobjekte“ aus der Malerei entwickelt.

Olga Jakob verzichtet bei ihren Bildern auf den Pinsel und arbeitet stattdessen mit Textilien. Für Jakob ist es ein sehr naheliegendes Material, da der Mensch ohnehin eine sehr enge Beziehung zu diesem Material hat und mit keinem anderen Material so intensiv und lange in Berührung kommt wie mit Stoffen. Sie selbst sagt dazu: „In dieser Distanzlosigkeit sehe ich eine Stärke, da sie eine Vertraulichkeit und Selbstverständlichkeit mit sich führt. Diese Unmittelbarkeit des Materials ist Ausgangspunkt für mein künstlerisches Handeln. Das Textile ist eine Weltsprache im globalen Kontext.“

Die Farbe taucht in ihren Werken nur als monochrome Farbfläche auf und auch das meist sehr zurückgenommen, in grauen Tönen oder sehr dezenten „ruhigen“ Farben. Aus der Fläche ihrer sehr haptischen Stoffbilder, die man berühren möchte, erheben sich Strukturen, die Raum bieten für viele Assoziationen: kryptische Symbole, fremdartige Schriftzeichen oder Spuren organischen Lebens. Ihre Bilder sind damit eher Relief als klassisches Bild.

Auch Tim Bohlender hat im Laufe seines Studiums basierend auf der Malerei eine ganz eigenständige Bildform gefunden. Er verwendet industriell gefertigte Fliesen als Träger der Malerei. Diese Fliesen werden am Ende des malerischen Prozesses wieder lackiert, um sie auf ihre ursprüngliche Qualität der Keramik zurückzuführen. „Die Malereien von Tim Bohlender veranlassen zu einer doppelten Aufmerksamkeit, es gibt die dingliche, prozessuale Seite jeder Arbeit. Das „Wie“, Größe und Dicke des Trägers, die Art des Farbauftrags etc. Und es gibt das, was man sieht oder meint zu sehen. Buchstaben, Symbole einer Spielkarte, das Muster eines Stoffes. Bekannte Dinge, deren abstrakte Qualität uns der Künstler nahebringen will. Zwischen diesen beiden Polen entsteht die Spannung die in den Malereien von Tim Bohlender liegt.“ (Marijke van Warmerdam)

Obwohl beide Künstler also mit sehr unterschiedlichen Materialien arbeiten – die eher weichen und flexiblen Stoffe bei Jakob und die harte, kühle Keramik bei Bohlender – ist ihre Bildsprache doch recht verwandt und bewegt sich bei beiden im Bereich der Chiffren und Fragmente, die viel Raum für Deutungen bieten.