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Ausstellungen

Raquel Maulwurf

The Light and the Dark

Ausstellung: 10.09. - 02.11.2019

Eröffnung am Dienstag, 10.09.2019, 18:00 - 21:00 Uhr


Raquel Maulwurf wurde 1975 in Madrid geboren. Sie hat in Arnheim studiert und lebt in Amsterdam.
Sie ist mit ihren großformatigen Kohlezeichnungen bereits sehr erfolgreich, ihre Arbeiten befinden sich u.a. in den Sammlungen des Rijksmuseums Amsterdam, Teylers Museum Haarlem und Stedelijk Museum Schiedam und sind in über 20 Europäische Museen gezeigt und ist in vielen privaten und musealen Sammlungen vertreten. 2017 hatte sie eine Einzelausstellung im Gemeentemuseum Den Haag. 2011 war sie Stipendiatin des renommierten International Studio & Curatorial Program (ISCP) in New York.
Für ihre erste Einzelausstellung in der Galerie Martin Mertens hat Raquel Maulwurf ein Ausstellungskonzept entwickelt, das ihre letzte Einzelausstellung “The Carbon War Room” im Gemeentemuseum Den Haag fortführt. Sie zeigt bei uns großformatige Kohlezeichnungen im Kontrast zu sehr kleinen Zeichnungen im “Smartphone Format”.
Während sich Maulwurfs frühere Arbeiten mit den Auswirkungen und Zerstörungen des Krieges beschäftigten, beschreiben ihre neuesten Werke das Chaos und die ökologischen Katastrophen, die entstehen, wenn die Erde von den Kräften der Natur getroffen wird. Sie untersucht die Vorstellung, ob die Natur zurückschlägt, wenn wir ihre Ozeane verunreinigen, ihre Luft vergiften, Wälder niederbrennen und den Boden, auf dem wir gehen, in eine radioaktive Einöde verwandeln.
Um aus schrecklichen Ereignissen etwas Bewegendes und Schönes zu machen, werden diese Bilder -destruktiv und monumental zugleich- so bearbeitet, daß nur die Essenz des Ereignisses übrig bleibt. Die Zeichnungen zeigen nicht mehr was wir sehen, sondern das, was wir wissen. Sie machen gegenwärtige Ereignisse greifbar und werfen die Frage auf, warum die Menschheit so begierig darauf ist zu zerstören.
Auf Museumskarton zu zeichnen, ermöglicht es der Künstlerin die Oberfläche mit scharfen Werkzeugen aufzureißen und Gewalt durch Gewalt darzustellen. Die Künstlerin materialisiert die Zerstörung die sich sowohl im Motiv zeigt, als auch im Arbeitsprozess.

Julius Bobke

Rhythm of the Staple Gun

01.06. - 13.07.2019
Di. - Sa. 12 : 00 - 18 : 00 und nach Vereinbarung

Einladung zur Eröffnung
am Samstag, 01.06.2019, 18 : 00 - 21 : 00 Uhr


Diese zweite Ausstellung von Julius Bobke in der Galerie ist stark auf eine neue Werkgruppe fokussiert, die Bobke seit 2018 erarbeitet hat. Für diese Bilder verwendet er Ausschnitte von historischen Teppichen aus verschiedenen Epochen und Kulturkreisen, die er in einem komplexen Druckverfahren ins Bild einfügt, sie übermalt, bleicht, auseinanderschneidet und neu zusammenfügt.
Er spannt die Bilder immer wieder vom Keilrahmen ab, um sie zu bedrucken oder neu zusammenzunähen. Dabei kommt oft das Tackergerät zum Einsatz. Der Begriff Rhythmus bzw. Muster läßt sich also auf das Tackern, den Rhythmus der Nähmaschine aber auch die Muster der Teppichfragmente beziehen.
Grundsätzlich ist ein gemaltes Bild enger verwandt mit einem Teppich als man auf den ersten Blick denkt, denn beides sind letztlich gefärbte Textilien. Julius sagt dazu: “Der Orientteppich tauchte vom 13. bis 17. Jahrhundert vermehrt als dekoratives Element in der europäischen Malerei auf. Es sind heute mehr Teppiche in Gemälden der Renaissancemalerei abgebildet, als real erhalten geblieben sind. Hierdurch fokussiert sich die Forschung der islamischen Kunst auch auf europäische Gemälde in ihren Untersuchungen.”
Daß der Teppich früher oder später in den Fokus von Bobkes künstlerischer Arbeit geraten würde, ist naheliegend, denn das Trägermaterial seiner Bilder sind zum Teil historische Leinenstoffe, die 100 Jahre oder älter sein können. Durch Bobkes grundelegende Beschäftigung mit Stoffen und deren Reaktion auf Farben oder chemische Mittel, die sie verändern, ist der Schritt zur Arbeit mit Teppichen nicht weit.
Bobke:” Das Handwerk ist dabei besonders wichtig. Teppiche werden in monatelanger Handarbeit geknüpft. Das fasziniert mich. In meiner eigenen Arbeit ist das für mich allerdings keine Option. Also drehe ich an den Stellschrauben des Handwerks, übersetze das Medium in unterschiedlichen Schritten, entferne es von seinem Ursprung und schaffe etwas Neues. Das ist ein elementarer, konzeptioneller Baustein.”
Bobke verbindet digitale Verfahren am Computer und Drucker mit analogen Instrumenten wie Farbe, Pinsel und Nähmaschine. Der Ausstellungtitel vermittelt auch einen gewissen Humor, eine spielerische Leichtigkeit, die die Bilder ausstrahlen. Im Gegensatz dazu steht aber die intensive Auseinandersetzung mit den Druckverfahren. Jedes auch noch so kleine Detail seiner Bilder ist genau geplant, die vermeintlich zufälligen Farbspritzer oder Flecken von Bleichmitteln sind präzise gesetzt oder gemalt. Dem Zufall wird wenig Raum gelassen, obwohl seine Bilder auf den ersten Blick fast wie ready mades wirken.- wie ein Zusammencollagieren von gefundenen Stoffresten oder ein gestisches Bespritzen der Leinwand mit Farbe.
Viele seiner Bilder sind äußerst subtil und nur vor dem Original kann man alle Feinheiten erfassen.
Zitate historischer Muster, technische Verfahren, malerische Setzungen und gesteuerte chemische Prozesse verbinden sich also zu einem stimmigen Gesamtbild.

Robert Bosisio / Gregor Gaida

body dialogue

23.04 - 29.05.2019

Dienstag 23.04.2019, 18:00 - 21:00 Uhr


2015 haben wir schon einmal die Werke des südtiroler Malers Robert Bosisio (*1963) mit dem Werk eines anderen Künstler konfrontiert. Damals fand der Dialog zwischen den expressiven Figurenbildern des Rumänen Radu Belcin statt und heute treten sie in Verbindung mit den Holzfiguren des Bildhauers Gregor Gaida (*1975), dessen Werk wir zum ersten Mal in der Galerie zeigen.

Ein auffälliges Objekt im Raum ist die Skulptur Apheirophobia (die Angst vor der Unendlichkeit)- eine Arbeit, die ihr Geheimnis nicht auf en ersten Blick preis gibt. Erst beim Umrunden entdeckt man, das es sich um einen männlichen muskulösen Rücken handelt, der drei Mal exakt gespiegelt. Die Arbeit steht zwischen menschlichem Körper uns Abstraktion. Der menschliche Körper wird von geometrischen Elementen durchdrungen. Organisches und Geometrie, Natur und Kultur gehen eine Verbindung ein, aus der ein eigenständiges Objekt entsteht.

Wir zeigen auch die zweiteilige Arbeit Outliners die sicher zu den eindrucksvollsten und individuellsten Werken von Gaida gehört. Die beiden Jungs (absolut identische Figuren, die lediglich anders im Raum positioniert sind), bestechen vor allem durch ihre Anordnung im Raum und ihren Naturalismus. Sie gehen unweigerlich eine starke Verbindung mit dem Umraum und den anderen Objekten oder Bildern im Raum ein. Das vom Künstler geschaffene Werk scheint erstaunlich autonom zu sein und wiederum aus sich heraus eine Zeichnung im Raum zu erschaffen, womit das Figurenpaar den gesamten Ausstellungsraum gliedert.

Dr. Ari Hartog verweist in einem Katalogtext zu Recht darauf, dass Gaida seine Skulpturen im Grunde wie ein Maler das Leinwandbild oder ein Fotokünstler das fotografische Bild behandelt, in dem er das Motiv radikal beschneidet und den menschlichen Torso so fragmentiert und verändert, dass er nur noch als Ausgangsmaterial dient, um ein völlig autonomes Objekt schaffen zu können, das ganz eigenen Regeln bzw. nur dem gestalterischen Willen des Künstlers unterworfen ist.

Diese Vorgehensweise ist durchaus mit der Arbeitsweise von Robert Bosisio zu vergleichen, dessen Bildwerke ebenfalls oft auf Fotos basieren, sich aber nahezu vollständig davon emanzipieren und im Laufe des Malprozesses immer mehr in den Hintergrund treten, um der Malobefläche, der Struktur und der ungeheuer subtilen Farbigkeit Raum zu geben. Bosisio erarbeitet sich seine Bilder über sehr lange Zeiträume, indem immer neue Farbschichten (bis zu 20 Schichten) aufgetragen werden, Teile wieder abgekratzt oder abgewaschen werden und Materialien wie reines Pigment, Sand, Asche und verschiedenste Farbmaterialien miteinander verwoben werden. Dabei kann auch ein Bauchnabel zum bildfüllenden Motiv werden. Allen Bildern gemeinsam ist das Schwanken zwischen gegenständlichem Motiv und dem Verschwinden des Motivs zu Gunsten der Oberflächenstruktur und des Farbklangs im Bild.

Ergebnis ist ein hochkomplexes Bild, auf dem die Portraitierten oder Körperteile entrückt erscheinen und wie hinter einem Schleier verschwommen. Sie werden dadurch entpersonalisiert und bekommen etwas Archetypisches.

In dieser Ausstellung kontrastiert die körperliche, dreidimensionale Wucht der Gaida Skulpturen mit den sehr subtilen Arbeiten von Bosisio, die eher eine meditative Betrachtung erfordern.

Tomoyuki Ueno

Sky Sculpture

09.03. - 20.04.

Eröffnung: Samstag 09.03.2019, 18:00 - 21:00 Uhr


Matthias Kanter

Malerei 2015 - 2018

19.01. - 02.03.2019

Freitag 18.01.2019, 18:00 - 21:00 Uhr


Mit Matthias Kanter arbeitet die Galerie seit ihrer Gründung 2006 zusammen. Ich kenne keinen anderen Maler, der sich so intensiv mit der Wirkung von Farbe beschäftigt wie er. Bei seiner Beschäftigung mit der Geschichte der Malerei hat er sich auf die Farbe als Bedeutungsträger und als raumbildendes Element im Bildraum konzentriert. Die Erforschung subtiler Farbklänge und das Transportieren von Emotionen allein durch Farbe ist zu seinem zentralen Thema geworden. Seine Werke – so reduziert und einfach sie auf den ersten Blick wirken mögen – erfordern eine emotionale Öffnung des Betrachters und ein genaues Erspüren der einzelnen Farbsolisten, die erst zusammen ein Konzert ergeben. Wie in einer gelungenen musikalischen Komposition ergänzen sich die einzelnen Farben, bilden Kontapunkte oder antworten auf einander und ergeben erst zusammen ein Werk.
Kanter sagt dazu: „Vor 20 Jahren versuchte ich mich an einer Art „Manifest“ wie ich mir meine Malerei vorstelle. Sie war für mich noch nicht sichtbar und viele Koordinaten waren bestimmt von dem was mich an der Kunst Anderer begeisterte bzw. mir zu diesem Zeitpunkt wichtig war -durchaus auch mit der Idee einer nötigen Reparatur. Es ist faszinierend über die Jahre immer mehr von diesem Wünschen in die Sichtbarkeit zu gelangen. Trotz aller Erfahrung bleibt das Gelingen eher Geschenk als gesicherte Leistung, aber mit der Zeit wächst ein Vertrauen zumindest regelmäßig die Bedingungen herstellen zu können, unter denen ein Bild entstehen könnte. Mich interessiert Malen als Erfahrung, das Momente der Klarheit, wenne s gelingt meine malerischen Mittel in ein „Sein“ verwandeln zu können -nicht mehr Pigment und Vorstellung, sondern Präsenz von „Etwas“, das die Erinnerung erkennt. Ich habe bis heute nichts gefunden, das mich langfristig mehr begeistert als diese einsame Arbeit im Atelier. Jedes Gelingen ist wie ein gefrorener Glücksmoment, der Wirksamkeit entfaltet. Heute kann ich sagen so etwa könnte die Malerei aussehen, die mir fehlte und immer noch fühlt es sich an wie kurz nach dem Beginn wie der Anfang eines Weges.”