Archiv
Ausstellungen

Felix Baxmann

Linientreu

11.01.2020 - 07.03.2020


Der Künstler absolvierte sein Studium 2017 als Meisterschüler der Berliner Universität der Künste und gewann im selben Jahr den Rostocker Kunstpreis für Handzeichnung.
Die größte Werkgruppe bilden Tuschezeichnungen auf Papier, die aus unzähligen winzigen Webmustern aufgebaut sind. Sie werden zum Teil in mehreren Lagen so verdichtet, dass Strukturen entstehen, die an Textilien erinnern. Sein Arbeitsprozess ist fast meditativ und erfordert extreme Disziplin und Ausdauer.
“Wenn ich zeichne, dann liegt dem Prozess stets eine Aufgabenstellung zu Grunde. Ich stelle mir eine Aufgabe, bevor ich beginne. Ein Beispiel: Ich verwende nur einen Bleistift und fertige mit diesem einhundert Zeichnungen an. Irgendwann komme ich im Laufe dieses Prozesses an einen Punkt körperlicher und/oder psychischer Erschöpfung- ein Punkt, an dem ich mir die Arbeit durch den Wechsel der Farbe oder des Mediums erleichtern möchte. Doch das tue ich nicht; denn das Überwinden dieses Momentes der Erschöpfung, liegt im Fokus meines Schaffens. Durch die ständige Selbstüberwindung entsteht bei mir eine Sensibilität, die wiederum neue Sensibilitäten schafft, welche dann auf kleinste Dinge verweisen. Durch die Langsamkeit des Arbeitens werden meine gezeichneten Formen dichter, wodurch etwas Unsichtbares im Werk sichtbar wird: Zeit und Überwindung.
Jede meiner Arbeiten birgt den Wunsch nach einer äußerlichen Sensibilität, d.h.im Rezeptionsprozess soll ein Gefühl für Stille und Feingefühl entstehen. Die Zeichnungen sollen den Rezipienten sowohl für seinen Betrachtungsvorgang, als auch für sich selbst sensibilisieren.”

(Felix Baxmann, 2017)

Katrin Bremermann

Je ne suis pas seule

5. September - 24. Oktober 2020

Ausstellung: 05.09. – 24.10.2020,
Mi - Sa :13 - 18:00 Uhr
und während des Gallery Weekends Fr 13 - 21 Uhr Sa und So 12 - 18 Uhr


Bitte beachten Sie bei einem Besuch die üblichen Corona Sicherheitsregeln:

- 1,50 Abstand halten
- Mund- /Nasenschutz tragen
- Es dürfen sich maximal 6 Besucher gleichzeitig in den Galerieräumen aufhalten.


Als Titel ihrer dritten Einzelausstellung bei uns wählt Katrin Bremermann, die lange in Paris gelebt hat, den Titel eines Gedichts von Paul Éluard „Je ne suis pas seule“ („Ich bin nicht allein“).

Bei der Auseinandersetzung mit Literatur /Poesie geht es ihr darum Worte zu finden, die sie interessieren, emotional berühren oder eine Geschichte erzählen. Sie sollen Fragen aufwerfen und Erwartungen erzeugen. Dies bildet die Grundlage für Ihre Arbeiten. Hier wird deutlich, dass Katrins Werk trotz der formalen Strenge sehr emotional ist. Sie will das jeweilige Werk „so weit zu Ende führen, dass es unerklärlich bleibt, aber zugleich sehr präsent und eigenständig ist“.

Katrin hat ihre Arbeit im Atelier immer wieder als eine Laborartige Situation beschrieben. Sie setzt sich mit verschiedenen Überlegungen und Versuchen zu Formen, Farben und Grenzen auseinander. Dabei nimmt sie permanente Untersuchungen mit neuen Elementen und Materialien vor und sucht bewusst neue technische Herausforderungen. Zum ersten Mal in dieser Ausstellung zeigen wir ihre Arbeiten mit Acrylglas, die aus dieser Erprobung neuer Materialien entstanden sind.

Diese Ausstellung basiert auf Katrins Entwicklung der letzten Jahre, in der Ihre Wandobjekte immer mehr aus der traditionellen Rechteckform ausgebrochen und in den Raum vorgedrungen sind

Ebenfalls zum ersten Mal zeigen wir auch ihre neuen Wandskulpturen aus Aluminium. Katrins Aussage „Eigentlich bin ich eine malende Bildhauerin“ wird in dieser Ausstellung besser verständlich und deutlicher als zuvor. Sie sagt: „Es gibt Spielregeln, Erinnerungen, Aktuelles und Idole, um dann mit meiner Kraft, meinem Verlangen und meiner Dringlichkeit eine ideale Realität zu schaffen. Man braucht Nichts zu erklären. Es geht um das Sehen, darum das Ganze wahrzunehmen, den Raum, das Licht und Deine eigene Perspektive. In dieser Ausstellung sind Arbeiten mit neuen Formen und Formaten zu sehen. Experimente mit Formen und Oberflächen. Arbeiten, die in den Raum gehen. Ältere Themen neu gesehen. Minimale Optimierung. Poetische Potentiale werden sichtbar.“

Sebastian Herzau, Daniel Schaal, Tobias Stutz

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Ausstellung: 13.06. - 25.07.2020

Eröffnung: Samstag 13.06.2020, 18:00 - 21:00 Uhr


Der Hallenser Maler Sebastian Herzau bewegt sich in den traditionellsten Genres der Malerei: Portrait, Stilleben und Landschaft (nicht in dieser Ausstellung vertreten). Diese Bildgattungen behandelt er allerdings auf sehr individuelle Weise. In seinen Portraits und Stillleben bedient er sich der Trompe-l’œil-Malerei, die schon in der Renaissance und vor allem im 17. und 18. Jh. die Betrachter zum Staunen gebracht hat.

Ein feiner Humor durchzieht seine Werke, der vor allem bei den kleinen Stillleben auf vermeintlicher Pappe aufscheint. Diese beiläufig wirkenden Bilder greifen das Quodlibet des 18.Jh. auf – eine realistische Darstellung von ungeordneten scheinbar das Bildformat sprengenden Schriftstücken, das sich größter Beliebtheit erfreute. Eine weitere Werkgruppe bilden die verschwommenen Portraits, die scheinbar unter einer Eisschicht oder mit Eis überzogenen Scheibe zu liegen scheinen. Sowohl bei den Portraits auch bei den mit Tape unkenntlich gemachten Bildern, findet eine große Distanzierung von der portraitierten Person statt und der Betrachter wird auf die Malerei an sich verwiesen. 2019 wurde Herzau für sein herausragendes Werk mit dem Kunstpreis Halle geehrt.

 

Auch der Bonner Maler Tobias Stutz bedient sich des Trompe-l’œil, arbeitet aber überwiegend mit architektonischen Themen. Die Werkgruppe, die wir hier zeigen, ist auf architektonische Details fokussiert, Ausschnitte von Gebäuden erhalten ein Eigenleben und werden unabhängige Objekte, die eine enorme illusionistische Raumtiefe erreichen. Unterstützt wird diese 3-dimensionale Wirkung zusätzlich durch den gezielten Einsatz der Farbe (rot tritt beispielsweise hervor, blau weicht zurück). Das größte Bild zeigt einen Teil von Le Corbusiers Unités d’Habitation -die Wohnmaschinen-, die er zwischen 1945 und 1967 plante und baute. Die Architektur oder auch das Design der klassischen Moderne tauchen in Stutz Bildern immer wieder auf. Sein virtuoses Spiel mit Licht und Schatten und der Zuschnitt der Leinwände, der sich dem Motiv anpaßt, schaffen perfekte Illusionen.

 

Der jüngste Künstler, den wir hier neu vorstellen ist der Berliner Daniel Schaal, der noch an der UdK Berlin studiert. Trotz seines jungen Alters gilt sein Werk unter Berliner Sammlern bereits als Geheimtip, denn es ist äußerst ungewöhnlich, geistreich und vielschichtig. Wir zeigen hier zwei Werkgruppen: seine Malereien und die Drucke. Diese Blätter entstehen auf der größten Druckerpresse Europas und wären außerhalb Berlins schon allein technisch gar nicht realisierbar. Schaal faltet Kartons (z.B. ein Tetrapack) die er im Alltag benutzt hat auf und verwendet sie als Druckstock für seine großformatigen Blätter, die spontan an Röntgenbilder erinnern. In der Serie, die wir hier zeigen, ordnet er den Karton so an, daß er das Christusmonogramm ΧΡ, auch Chi-Rho oder Konstantinisches Kreuz genannt ergibt. Es besteht aus den beiden übereinander geschriebenen griechischen Buchstaben Χ und Ρ – die ersten beiden Buchstaben des griechischen Wortes Χριστός Christós. Der Konsum ist also zu einer Ersatzreligion geworden und ein profanes Wegwerfprodukt, das lediglich der Verpackung eines Inhalts dient, wird selbst zum inhaltvollen Bedeutungsträger.

Jens Hausmann

Raum und Hülle

Die Austellung ist verlängert bis zum 23.05.2020

Öffnungszeiten:
Mittoch – Samstag 13:00 – 18:00 Uhr
und nach Vereinbarung


Jens Hausmann

 

Raum und Hülle

 

Der Berliner Maler Jens Hausmann ist seit vielen Jahren einer der auffälligsten mitteleuropäischen Maler im Themenbereich der Architektur. Wobei bereits dieses Label etwas irreführend ist, denn Hausmann geht es um Malerei nicht um Architektur.

Er ist im Besten Sinne ein Konstruktivist, denn seine Architekturen und Bildräume sind Konstruktionen. Viele seiner architektonischen Formen basieren zwar auf realen Gebäuden, aber diese Gebäude sind lediglich der Auslöser zur Gestaltung eines Bildes. Seine Szenarien sind konstruierte Realität – kein Abbild einer Realität.

Obwohl mit den Landschaftsausschnitten und Vegetationen, die seine Bilder bevölkern, in gewisser Weise ein romantisches Element aufzuscheinen scheint, ist diese Konfrontation Kultur-Natur nicht im Sinne der Romantik zu verstehen. Denn Hausman macht in seinen Bildern deutlich, daß auch die Natur nicht mehr das vom Menschen unabhängige Andere und damit das Gegenteil von Kultur bildet, sondern im Zeitalter des Anthropozän selbst bereits „kulturell kontaminiert“ ist und längst nicht mehr unabhängig vom Menschen existiert. Selbst in den tiefsten Tiefseegräben, im Ewigen Eis und auf den Gipfeln der Berge sind die Auswirkungen der menschlichen Tätigkeit zu finden.

Die meist sehr artifiziell in grellen „unnatürlichen“ Farben erscheinenden Naturversatzstücke wirken eher wie eine Möblierung des vom Menschen geformten Bildraumes als eine unbändig frei sich entfaltende Natur. Trotzdem sind sowohl Architektur als auch Natur Darsteller auf den Bühnen seiner Bildräume und bilden erst zusammen die spannungsreichen Szenarien seiner Bilder. Die Architekturen fragmentieren den Bildraum und damit die sie umgebende Landschaft/Natur.

Wie Hausmann so treffend sagt, versucht er seine „romantischen Wallungen an der kurzen Leine zu führen“. Während die Rückenfigur in der deutschen Romantik den Menschen bereits zurückdrängt und nicht mehr als Akteur, sondern nur noch als Betrachter inszeniert, geht Hausmann einen konsequenten Schritt weiter und verzichtet ganz auf die menschliche Figur. Anwesend ist der Mensch als permanenter Gestalter dennoch in jedem Winkel seiner mystisch konstruierten Bildwelten.

Viele seiner Bildräume wie z.B. in dem großen Bild „Raumstation“ wirken wie eine Bühne, auf der gerade etwas geschehen ist oder bald geschehen könnte. Hausmann erwähnt im Gespräch die Bedeutung des Moments, in dem Nichts geschieht – in dem die Handlung erstarrt kurz bevor etwas geschieht. Das eigentliche Ereignis spielt sich eher im Kopf des Betrachters ab. Hier scheint auch der Grund für die cineastische Anmutung vieler seiner Werke zu liegen und man fühlt sich an die Dramaturgie vieler Hitchcock Filme erinnert. Einerseits durchströmt seine Bilder oft ein Geheimnis, andererseits ist aber auch die Rationalität der Konstruktion deutlich sichtbar und die zum Teil brutalistische Kühle der Glas- und Betonflächen wiederstrebt jeder Mystifizierung und Romantisierung.

In dem großen Querformat „Daytime Astromomy“ scheinen sich die Pflanzen wie unheimliche Wesen an das Gebäude heranzupierschen und darauf zu verweisen, daß die Natur sich früher oder später ihren Raum zurückerobert. Sicherlich ist Hausmann durch seinen häufigen Aufenthalt in Brasilien, woher seine Frau, die Künstlerin Isabelle Borges stammt, sowohl von der tropischen Vegetation als auch der brasilianischen Moderne, die auf der europäischen basiert beeinflußt. Sein Werk findet in Brasilien auch großen Anklang. So hat das Sammler Museum Fábrica de Arte Marcos Amaro (FAMA) gerade einen großen Werkblock, der mit 60 Arbeiten einen ganzen Raum gestaltet erworben und wird diesen im Juli 2020 in Sao Paulo ausstellen.