Jens Hausmann – Zauberberg Effekt

Jens Hausmann – Zauberberg Effekt

Jens Hausmann – Zauberberg Effekt

 

Die Ausstellung „Zauberberg-Effekt“ ist wohl die Ausstellung von Jens Hausmann, die bisher am stärksten anschaulich macht, wie sehr der Berliner Maler es liebt, den Betrachter aufs Glatteis zu führen.

Basierend auf profanen Quellen wie Fotos aus Reisemagazinen oder aus der Werbung, konstruiert er vermeintliche Traumwelten, die nach außen Erfolg und Luxus symbolisieren sollen, im Inneren aber leer erscheinen und immer die Gefahr bergen, sich als Alptraum und Illusion herauszustellen. Allzu leicht können die Bewohner im Traum gefangen bleiben.

Es fehlen nicht nur die Bewohner, sondern auch jedes Leben. Es erscheinen zwar Naturelemente, aber nur in architektonischen Korsetts und oft in einer künstlichen, fast giftigen Farbgebung. In einigen Bildern gibt Hausmann der Natur allerdings einen bildfüllenden eigenen Raum, z.B. in Form eines undurchdringlichen Dschungels oder eines Hais, der mit weit aufgerissenem Maul aus dunkler Tiefe an die Oberfläche vordringt.

Der Konstruktivismus in seiner Malerei verweist deutlich auf eine konstruierte Wirklichkeit.

Jens selbst nennt seine Bilder „architektonische Vanitas-Symbole der Moderne“.

Formell reizt ihn vor allem, die Abbildung von Architektur der Fotografie zu entziehen und mit den Mitteln der Malerei eine substanziellere Präsenz des Motivs zu erreichen. Dabei gewinnt das gemalte Bild durch seine virtuose Behandlung der Oberflächen und der subtilen Lichtführung eine eigene Qualität, die die Fotografie nicht leisten kann. Hausmann erzeugt sehr subtile Atmosphären, die Fotos nicht vermitteln können.

Neben den offenen Glas-Architekturen ist die Ausstellung auch von kleinen Bildern klaustrophobischer Betonzellen bevölkert, die als Gegenspieler zu den repräsentativen Gebäuden erscheinen und gewissermaßen das architektonische Pendant zum bedrohlichen Hai bilden.

Wenn alles an materiellem Wohlstand erreicht ist und sich in den Stahl- und Glasarchitekturen manifestiert hat, greifen an den leeren Pools Melancholie und Langeweile um sich. Insofern sind seine Bilder auch als psychologische Gleichnisse der Verlustängste des Bürgertums in Zeiten des Wandels zu lesen. Hier wird deutlich, wie passend der Ausstellungstitel gewählt wurde, der auf Thomas Manns Roman „Zauberberg“ verweist, in dem das atemschwache Bürgertum ein gelangweiltes, dekadentes Leben im Bergsanatorium führt, während im Tal die Gesellschaft auf die Katastrophe des ersten Weltkriegs zusteuert. Die Liegestühle, die Hausmanns Pools oft umgeben, erscheinen unter diesem Titel wie direkte Zitate der „Liegekuren“ im „Zauberberg“, die die Protagonisten nur noch mehr an ihre Lethargie fesseln.

Was Hausmann vielleicht wie kein anderer Maler in seinen Bildern erreicht, ist eine Psychologisierung der Architektur und eine Verschränkung der architektonischen Konstruktion mit Wünschen, Träumen und Ängsten ihrer nur indirekt anwesenden Bewohner.

 

Ausstellung: 18.06. – 30.07.2022

Öffnungszeiten: Mi. – Sa., 13 – 18 Uhr und nach Vereinbarung